Der verschuldete Sohn

Unter gewissen Umständen kann der den Kindern zustehende Erb- beziehungsweise Pflichtteil gemindert oder ganz entzogen werden. Hiezu bedarf es in der Regel einer letztwilligen Verfügung.

So zum Beispiel, wenn ein Kind verschwenderisch oder verschuldet ist. Der Verstorbene kann das verschwenderische Kind auf den Pflichtteil setzen und diesen dessen Nachkommen zuwenden:

Wenn bei einem sehr verschuldeten (oder verschwenderischen) Pflichtteilsberechtigten die wahrscheinliche Gefahr besteht, dass der ihm gebührende Pflichtteil zum größten Teil seinen Kindern entgehen würde, so kann der Erblasser diesen Pflichtteil, statt ihn dem Pflichtteilsberechtigen (seinem Sohn, seiner Tochter) zu belassen, dessen Kindern zuwenden. Dieser Enterbungsgrund ist übrigens auch auf den Ehegatten anwendbar.

 

Beispiel:
Ein Vater überlegt sich, wie das Vermögen nach seinem Tode unter seinen beiden Söhnen aufzuteilen sei. Einer der beiden Söhne, ein selbständiger Gewerbetreibender, war zuvor mit seiner Einzelfirma in Konkurs gegangen und hatte mit sehr hohen Forderungen seiner Gläubiger zu kämpfen. Der Vater will dennoch beide Söhne bedenken, das Familienvermögen jedoch nicht dem Zugriff der Gläubiger des einen Sohnes aussetzen.

Im Beispielfall sah der Vater in seinem Testament dann vor, dass der eine unverschuldete Sohn den ihm zukommenden Erbteil erhielt und anstatt des verschuldeten zweiten Sohnes dessen Kinder den ansonsten ihrem Vater zufallenden Teil des Nachlasses bekommen sollten.

So konnte die Vermögensüberführung in der Familie geregelt werden und das Familienvermögen dem Gläubigerzugriff Außenstehender entzogen werden.


Bei derartigen Verfügungen ist jedenfalls die Hilfe des Notars angeraten.


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Bettina Piber

Dr. Bettina Piber

Notarsubstitutin im Notariat Schöffmann

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