Mein Kind ist verschuldet. Wie testiere ich sinnvoll?

Unlängst wurde ich mit einem Fall konfrontiert, in dem ein Vater sich überlegte, wie das Vermögen nach seinem Tode unter seinen beiden Söhnen aufzuteilen sei: Einer der beiden Söhne, ein selbständiger Gewerbetreibender, war zuvor mit seiner Einzelfirma in Konkurs gegangen und hatte mit sehr hohen Forderungen seiner Gläubiger zu kämpfen.

Der Vater wollte dennoch beide Söhne bedenken, das Familienvermögen jedoch nicht dem Zugriff der Gläubiger des einen Sohnes aussetzen. 

Hier konnte im Zuge der Beratung eine optimale Lösung für die geplante letztwillige Verfügung des Familienvaters gefunden werden: Wenn bei einem sehr verschuldeten (oder verschwenderischen) Noterben die wahrscheinliche Gefahr besteht, dass der ihm gebührende Pflichtteil zum größten Teil seinen Kindern entgehen würde, so kann der Erblasser diesen Pflichtteil, statt ihn dem Noterben (seinem Sohn) zu belassen, dessen Kindern zuwenden (§ 773 ABGB). Dieser Enterbungsgrund ist übrigens auch auf den Ehegatten anwendbar.

Die Lösung:
Im konkreten Fall sah der Vater in seinem Testament dann vor, dass der eine unverschuldete Sohn den ihm zukommenden Erbteil erhielt und anstatt des verschuldeten zweiten Sohnes dessen Kinder den ansonsten ihrem Vater zufallenden Teil des Nachlasses bekommen sollten.

So konnte die Vermögensüberführung in der Familie geregelt werden und das Familienvermögen dem Gläubigerzugriff Außenstehender entzogen werden.


Rechtsauskunft

Bettina Piber

Dr. Bettina Piber

Notarsubstitutin im Notariat Schöffmann

Checklist Testament

Bevor Sie ein Testament errichten sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wen möchte ich nach meinem Tod berücksichtigen?
  • Möchte ich schon vorab Dinge weitergeben? Beispielsweise ein Haus, eine Wohnung?
  • Wie sind meine Familienverhältnisse?
  • Möchte ich einzelne Gegenstände an jemand Bestimmten weiter geben?

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